Boule beim TC Grafschaft

Das neue Boulodrome des TC Grafschaft verspricht Spaß und Entspannung für die ganze Familie!

Die Eröffnung ist für den 4. September 2021 geplant!

Mit Boule verbinden viele das vorwiegend von älteren Franzosen auf französischen Plätzen ausgetragene Freizeit-Kugel-Spiel. Das Spiel auf öffentlichen Plätzen ist die Freizeitvariante, die Sportvariante wird auf oder in Vereinsanlagen (Bouleplatz (frz.: Boulodrome) oder Boulehallen) ausgetragen. In Deutschland wurde die Freizeitvariante vor allem von Frankreich-Urlaubern „importiert“ und meist Boule genannt.

Grundregeln

Bei allen Varianten spielen zwei Mannschaften oder Formationen gegeneinander, die aus 1 bis 4 Spielern bestehen. Die möglichen Mannschaftsstärken sind in den einzelnen Sportarten verschieden. Ziel ist es jedoch immer, mit den eigenen Kugeln möglichst nah an eine Zielkugel zu gelangen. Die Zielkugel und die gegnerischen Kugeln können dabei auch herausgedrückt oder weggeschossen werden. In Frankreich wird die Zielkugel cochonnet (dt.: Schweinchen) genannt.

April 2016: Erste Boule-Konkurrenz - noch auf der Rasenfläche

Regeln

Boule (wie auch „Boccia“) wird umgangssprachlich als Sammelbezeichnung für Kugelsportarten verwendet bei denen es darum geht, schwere Kugeln (in Frankreich Boules genannt, und in Italien Bocce genannt) so nah wie möglich an eine kleine Zielkugel zu werfen. Dazu zählt als Ableger Pétanque.

Die hier aufgeführten Regeln, Anleitungen etc. beziehen sich, soweit nicht explizit anders aufgeführt, auf das Spiel Pétanque.

Vorbereitung

Zu Beginn wird ausgelost, welche Mannschaft das "Schweinchen" (frz. cochonnet = Zielkugel) werfen darf.

Die Mannschaft, die beginnt, zieht einen Wurfkreis von 35- bis 50 cm Durchmesser, aus dem das Schweinchen auf eine Entfernung von 6 (mindestens) bis 10 (höchstens) Metern geworfen wird.

Der Wurf der Kugel wird mit geschlossenen Füßen (Pétanque = pieds tanqués) durchgeführt (im Unterschied zu anderen Varianten des Boule-Spiels, bei denen stellenweise mit Anlauf oder sogar auf einem Bein stehend gespielt wird). Mit geschlossenen Füßen ist nur die wörtliche Übersetzung, man sollte durchaus bequem im Wurfkreis stehen (oder hocken), beide Füße müssen jedoch auf dem Boden bleiben, bis die geworfene Kugel den Boden berührt.

Spielablauf

Ein Spieler der beginnenden Mannschaft wirft (legt, punktiert, platziert) nun eine Kugel so nahe wie möglich an das "Schweinchen".

Jetzt versucht der erste Spieler von Mannschaft 2 näher ans Schweinchen zu „legen“ (franz. pointer) oder die bisher beste Kugel wird zugunsten einer eigenen Kugel von der Zielkugel entfernt („schießen“; franz. tirer). Die Spieler von Mannschaft 2 sind solange an der Reihe, bis sie eine Kugel näher als der Gegner am Schweinchen platziert haben oder ihnen die Kugeln ausgehen (in dem Fall spielt die andere Mannschaft auch alle noch verbleibenden Kugeln).

Sobald es Mannschaft 2 geschafft hat, eine Kugel dem "Schweinchen" am nächsten zu positionieren, ist Mannschaft 1 wieder an der Reihe. Dies solange bis keine Mannschaft mehr Kugeln hat.

Ziel

Gewonnen hat die mêne, (mêne frz.= Durchgang, dt. Aufnahme) jene Mannschaft, die am Ende eine oder mehrere Kugeln näher gelegt hat als die bestplatzierte Kugel der Gegenmannschaft. Für jede besser platzierte Kugel gibt es einen Punkt, also mindestens einen, maximal - wenn alle 6 Kugeln näher platziert sind - sechs Punkte.

Damit ist die Aufnahme beendet und die nächste muss von der Mannschaft begonnen werden, die die vorherige gewonnen hat.

Das Spiel ist beendet, sobald eine Mannschaft 13 (bei Final-Spielen 15) Punkte erreicht hat.

Siegerehrung 2016: Ralf Oehrle (1.), Wilfried Kälicke (2.), Hans Stein (3.)

Formationen

Gegner

Es gibt 3 Mannschaftsformationen (wobei die Regel gilt, dass jede Mannschaft 6 Kugeln hat), die bei Wettbewerben zugelassen sind und auch in Freundschaftsspielen regelmäßig angewendet werden:

Das Dreier-Team (frz. triplette).

Sie ist die traditionelle Mannschaftsform und besteht aus drei Spielern, die je zwei Kugeln haben.

Die beiden weiteren Formen wurden erst 1966 offiziell anerkannt und für die französischen Meisterschaften zugelassen:

Das Einzel (frz. tête-à-tête).

Zwei Einzelspieler spielen gegeneinander, jeder mit drei Kugeln.

Das Doppel (frz. doublette).

Die Mannschaft besteht aus zwei Spielern, von den jeder drei Kugeln hat, zusammen also sechs.

Weitere Kombinationen

Bei Freundschaftsspielen werden oft, um allen Anwesenden zu ermöglichen mitzuspielen (eine zur Übung reizvolle, aber unbeliebte Notlösung), noch weitere Kombinationen gebildet. Häufig geschieht das allerdings nur vorübergehend, bis mit neu Hinzugekommenen reguläre Mannschaften entstehen können. Grundregel bleibt, dass beide Mannschaften über dieselbe Kugelzahl verfügen. Folgende Konstellationen sind denkbar:

    • Zwei gegen Drei, mit je sechs Kugeln pro Mannschaft
    • Einer gegen Zwei, mit je sechs Kugeln pro Mannschaft
    • Drei Einzelspieler mit je drei Kugeln, die gegeneinander spielen

Rollenverteilung

innerhalb der Mannschaften: Auf der Basis der verschiedenen Vorgehensweisen des Legens und des Schießens wird fast regelmäßig eine Rollenverteilung nach Neigung und Können verabredet. Es gibt den

    • Leger (frz. pointeur), der immer die erste Kugel spielt, und den
    • Schiesser (frz. tireur), der später - wann immer nötig - eingreift oder seine Kugeln zuletzt legt, wenn seine Schiesskünste nicht gefordert wurden.

Spielfeld

Bei Turnieren werden rechteckige Flächen abgesteckt, die mindestens 12 x 3 m Seitenlänge haben müssen. Das Spiel soll in diesen Feldern durchgeführt werden, die Kugeln werden aber meistens noch als gültig akzeptiert, wenn sie in die unmittelbar angrenzenden Felder laufen. Alle anderen Flächen sind unerlaubtes Gelände, und Kugeln, die dorthin rollen, werden für ungültig erklärt.

Beispiel: Boule beim VfR Koblenz

Kugeln

Die Zielkugel muss aus Holz sein mit einem Durchmesser zwischen 25 mm und 35 mm und sie darf gefärbt sein.

Die Metallkugeln haben einen Durchmesser von 7 bis 8 cm und ein Gewicht von 650 bis 800 Gramm (beliebt sind etwa 700 g). Sie unterscheiden sich durch verschiedenartige Metalle, Farben und Gravuren (z.B. einer Nummer). Zu einer normal großen Hand passt ein Durchmesser von um die 75 mm.

Wurftechnik

Grundsätzlich sollte man die Kugel nicht mit dem Daumen oder dem kleinem Finger umgreifen. Man hält sie am besten zwischen Handballen und den drei Mittelfingern. So rollen die Kugeln über die drei Mittelfinger ab. Sie erhalten u.U. einen Rückdrall (backspin), der den Flug der Kugel stabilisiert und die Länge des Wurfes besser kalkulierbar macht.

Techniken:

  • Rollen oder Kullern (franz. Roulette),
  • den halben Bogen werfen (franz. demi-Portée),
  • den hohen Bogen werfen (franz. haute Portée)

Beim Boulen übernimmt der Arm die Aufgabe des Lenkens - nicht die Hand. Dieser gibt, indem er von hinten nach vorn schwingt, der Kugel die Richtung und Geschwindigkeit. Die Hand muss diese lediglich im rechten Moment freigeben.

Zielarten:

  • au fer = auf Eisen: Schießkugel trifft direkt, ohne vorher auf dem Boden aufzusetzen
  • biberon = Schnuller: Kugel hat direkten Kontakt zum Schweinchen, sie liegt "presse"
  • carreau = Volltreffer beim Schießen
  • carreau sur place = Optimaler Volltreffer: Die Schießkugel bleibt auf dem Platz der getroffenen Kugel liegen
  • cochonnet = Schweinchen, Sau, Wutz, Zielkugel

Auslegung

Die Grundregeln des Spiels sind sehr einfach, im Verlauf des Spieles können jedoch eine Vielzahl von regelungsbedürftigen Situationen entstehen. Es ist daher ratsam, die offiziellen Regeln des Internationalen Pétanque-Verbandes (Regelkatalog) als eine Nachschlag-Möglichkeit aufzufassen, die erst dann wichtig wird, wenn während des Spiels umstritten ist, wie man weitermachen soll.

Es sind Regeln des Fair Play, die präzise darauf achten, dass jede Mannschaft die gleichen Chancen hat und dass jeder Spieler ungestört seine Fähigkeiten entfalten kann.

Weitere Details: https://www.spielanleitung.org/boule.html bzw. (Boule (spielanleitung.org)

Zur Geschichte des Boule-Sports

Die Entwicklung der Boule-Spiele reicht Jahrhunderte zurück. Ihren Anfang nahmen sie in Form unterschiedlicher Kugelspiele, die in zahlreichen Ländern von allen Schichten der Bevölkerung ausgeübt wurden.

  • Schon im 13. Jahrhundert wurde in Frankreich mit Holzkugeln Boule gespielt. Hierbei ging es darum, die Kugel möglichst nahe an ein Ziel zu platzieren, entsprach also in etwa den heutigen Versionen.
  • 1369 verbot Karl V. dieses Spiel, weil er die Staatssicherheit gefährdet sah, da die Soldaten anstatt Bogenschießen zu üben, ihre Freizeit dem Boule-Spiel widmeten.
  • Die Pariser Synode von 1697 untersagte allen Geistlichen, in der Öffentlichkeit Boule zu spielen.
  • Genauso wie das Spiel verfolgt wurde, gab es andererseits auch öffentliche Unterstützung. Die berühmte Fakultät von Montpellier bestätigte im 16. Jahrhundert den Wert des Boule-Spiels für die Gesundheit: „Es gibt keinen Rheumatismus oder andere ähnliche Leiden, die nicht durch dieses Spiel vereitelt werden können, es ist für jede Altersstufe geeignet.“

Ludwig XI. wußte das auch und spielte häufig Boule, und der bekannte Generalfeldmarschall Turenne galt als unschlagbar.

  • Die Popularität des Spiels stieg im 19. Jahrhundert stark an. Es wurde nicht mehr nur auf Wiesen außerhalb der Stadt gespielt, sondern überall, wo Platz war, in den Straßen und auf den Marktplätzen.
  • In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in Lyon das „Boule Lyonnaise“ zu spielen.
  • 1894 wurde dort auch der erste Wettbewerb veranstaltet, bei dem über 1000 Spieler drei Tage lang um die Plätze rangen.
  • 1906 wurde der erste Verband gegründet. In Italien entwickelte sich eine weitere Version, das „Boccia“. Gespielt wird auf 4,50 m breiten und 28 m langen, speziell präparierten Plätzen. Die Kugeln sind aus Holz und haben unterschiedliche Farben, um sie auseinanderhalten zu können.
  • Im Jahre 1898 wurde in Turin der erste Boccia-Verband gegründet.

In Frankreich gibt es heute noch einige weniger bekannte regionale Spiele sowie das bereits erwähnte „Boule Lyonnaise“, das „Jeu Provencal“ und das jüngste, aber heute populärste aller Boule-Spiele: „Pétanque“.

Die Spielidee ist immer die gleiche, es wird versucht eine oder mehrere Kugeln näher an eine Zielkugel zu platzieren als der Gegner. Unterschiedlich sind die Spielregeln, das Gewicht der Kugeln und die Abmessungen des Spielfeldes.

Pétanque in Deutschland

Von der Provence aus verbreitete sich Pétanque bald in ganz Frankreich. Das bei uns stationierte französische Militär und viele Touristen brachten das Spiel über den Rhein.

Die ersten Kugelwerfer in Deutschland waren französische Soldaten oder Diplomaten, vor allem im Südwesten, Bad Godesberg und Berlin – kurz überall dort, wo nach dem Krieg die französischen Garnisonen waren. Sie brachten neben Gauloises und Pastis auch ihre Kugeln mit :-).

Dann kam die große Reisewelle. Die Deutschen hatten wieder Geld und Lust zum Reisen. Und wer nach Frankreich in Urlaub fuhr, dem konnte es nicht verborgen bleiben, dass die liebste Freizeitbeschäftigung der Franzosen neben l’Amour ebenfalls eine runde Sache war: le jeu aux boules. Viele brachten damals im Reisegepäck auch ihre ersten Kugeln mit nach Deutschland.

Die dritte Welle erfasste ebenfalls ganz Deutschland: Überall entstanden Städtepartnerschaften. Man pflegte den Austausch, man lernte sich besser kennen und man entdeckte schnell, dass Pétanque jede Freundschaft bereichert.

Der erste Verein in Deutschland war 1963 der Boule-Club-Pètanque Bad Godesberg. Dort wurde 1977 auch die erste Deutsche Meisterschaft Triplette ausgetragen.

Einige der in der ganzen Bundesrepublik verstreuten Pétanque-Spieler fanden sich zu Clubs zusammen, bis schließlich Anfang der achtziger Jahre der Deutsche Pétanque-Verband (DPV) ins Leben gerufen wurde.

Diese Dachorganisation richtet u.a. Deutsche Meisterschaften aus und ermittelt die Teilnehmer für die alljährlichen Weltmeisterschaften.

Der DPV ist Mitglied der Fédération International de Pétanque et Jeu Provencal (F.I.P.J.P.) mit Sitz in Marseille. In mehreren Bundesländern entstanden Landesverbände.

Zurzeit existieren in Deutschland mehrere hundert Clubs mit mehr als 20.000 Lizenzspielern.

Grundsteinlegung beim TC Grafschaft am 27.4.2019